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Fachartikel: Pflanzenkohle-Herstellung mit Kon-Tiki: Quantifizierung der Emissionsfaktoren

Emission Factors for Biochar Production from Various Biomass Types in Flame Curtain Kilns

Cornelissen et al., 2024

https://doi.org/10.3390/app14219649

Einfache und kostengünstige Flammenvorhangöfen („Kon-Tiki“; flame-curtain-kiln) sind derzeit die bevorzugte Pflanzenkohletechnologie für Kleinbauern in den Tropen, sind aber global auch für private GarteneignerInnen, Kleingartenvereine etc. eine interessante Option für die Eigenversorgung mit Biochar.  Während für holzartige Rohstoffe (Zweige und Blätter) mit unterschiedlichem Feuchtigkeitsgehalt Gas- und Aerosolemissionen dokumentiert wurden, fehlten bisher Daten zu den Emissionen anderer Arten von Rohstoffen. Ziel dieser Studie war es, die Gas- und Aerosolemissionen für gängige nicht-holzige Rohstoffe zu dokumentieren und die Emissionen aus feinkörnigen, ligninreichen Rohstoffen (Kaffeeschalen) mit denen aus gröberen, ligninarmen Rohstoffen (Maiskolben, Gras, Sesamstängel) zu vergleichen. Während jedes Pyrolysezyklus wurden alle kohlenstoffhaltigen Gase und NOx mit tragbaren empfindlichen Instrumenten überwacht. Anhand von Kohlenstoffbilanzen wurden Emissionsfaktoren in Gramm pro Kilogramm Pflanzenkohle ermittelt. Die resultierenden Methanemissionen lagen bei nahezu Null (<5,5 g/kg Pflanzenkohle) für die Pyrolyse von drei trockenen (~10 % Feuchtigkeit) Maiskolben, Gras und einer 1:1-Mischung aus Gras und holzigen Zweigen. Bei Sesamstängeln wurde Methan während des Pyrolysezyklus nur in zwei verschiedenen Spitzen nachgewiesen. Die Kohlenmonoxid- (CO) und Aerosolemissionen (Total Suspended Particles, TSP) wurden auf einem Niveau gemessen, das den früheren Daten für trockene Zweige entspricht, während die Stickoxidemissionen (NOx) vernachlässigbar waren. Im Gegensatz dazu erzeugte die Pyrolyse von feinkörnigen Kaffeeschalen erhebliche Methan- und Aerosolemissionen, was darauf hindeutet, dass andere Technologien als Flammenvorhangöfen für feinkörnige Rohstoffe besser geeignet sind. In der Zwischenzeit sind fortschrittlichere Systeme mit Synthesegasverbrennung erforderlich, um bei feinkörnigen Biomassen wie Reis, Kaffee und Nussschalen die CO-, Methan- und Aerosolemissionen bei der Pyrolyse ausreichend zu reduzieren.

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Fachartikel: Biogasproduktion und Pyrolyse der Gärreste: eine vielversprechende Kombination

Comparison of pyrolysis and anaerobic digestion processes for wheat straw biomass

Castells et al., 2024

https://doi.org/10.1016/j.egyr.2024.10.016

Aufgrund des wachsenden Interesses an der Nutzung von Biomasse als erneuerbare Energiequelle stellt diese Studie eine vergleichende Analyse zwischen zwei prominenten Biomasse-Umwandlungstechnologien vor: der anaeroben Vergärung und der Biomassepyrolyse. Ziel dieser Studie mit Weizenstroh war es, den Wirkungsgrad, die Energieausbeute und die Umweltauswirkungen zu bewerten und zu vergleichen.

Die anaerobe Vergärung wurde unter mesophilen Bedingungen (35 ± 0,5 °C) unter Verwendung der Methode des biochemischen methanogenen Potentials (BMP) durchgeführt. Die Pyrolyse wurde mittels thermogravimetrischer Analyse (TGA) durchgeführt, um das thermische Verhalten und die kinetischen Parameter der Biomasse zu bestimmen. Die Biogasproduktion führte zu besseren energetischen Ergebnissen, da hohe Methanausbeuten von über 11 mL CH₄ g⁻1 VS (flüchtige Feststoffe; volatile solids) erzielt wurden. Zusätzlich wurde die Integration beider Prozesse in Betracht gezogen, indem Gärreste aus der anaeroben Vergärung einem Pyrolyseprozess unterzogen wurden. Die wichtigsten Ergebnisse zeigen, dass die Aktivierungsenergie (Ea) für Weizenstroh über verschiedene kinetische Methoden hinweg zwischen 166 und 176 kJ⋅mol-1 lag, was auf seine Eignung für die Pyrolyse hinweist. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bei der anaeroben Vergärung nicht nur Biogas entsteht, sondern auch ein Nebenprodukt mit Potenzial für eine effiziente pyrolytische Umwandlung entsteht, was auf vielversprechende Chancen für eine Kombination von integrierter Abfallwirtschaft und erneuerbarer Energieerzeugung hindeutet.

Foto: https://www.flickr.com/photos/foxypar4/

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Die Stockholmer Baumpflanzungs-Methode mit Hilfe von Biochar wird auch in Australien umgesetzt

Engineered Spaces for Trees in Dubbo Regional Council: Modified Stockholm tree planting method

Da das Klima auch die australischen Städte und Gemeinden zunehmend erwärmt, stehen die Kommunen vor einer Reihe von Herausforderungen, wenn es darum geht, die städtische Hitze und ihre Auswirkungen auf die Gemeinden und die biologische Vielfalt einzudämmen. Die Kommunalverwaltungen stehen unter zunehmendem Druck, die Baumkronenbedeckung zu erhöhen, um die Widerstandsfähigkeit gegen den prognostizierten Temperaturanstieg zu verbessern.  Die Kommunen verstehen zwar den Bedarf an mehr Bäumen, aber die zunehmende Verdichtung der städtischen Zentren durch kleinere Grundstücksgrößen, schmälere Straßenrandstreifen und Nachverdichtung konterkariert ihre Bemühungen um Verbesserungen.  Unterirdische Versorgungsleitungen und Infrastruktur verringern die Pflanzmöglichkeiten weiter.  Der Verlust von Baumreihen in Straßen wirkt sich auch auf die Verbindungen zwischen Lebensraum und biologischer Vielfalt aus, die zur Unterstützung der Tierwelt erforderlich sind. Diese Herausforderungen erhöhen den Druck auf den öffentlichen Stadtwald, die zu erreichen.

Um den Herausforderungen gerecht zu werden, die gewünschten grüneren, schattigeren und kühleren städtischen Zentren zu etablieren, hat der Regionalrat von Dubbo eine Vielzahl von Baumpflanzgruben installiert, darunter Wurzelräume, die den Anbau unter Straßen und Fußwegen ermöglichen. Diese Arbeit berichtet über das Baumwachstum in Pflanzräumen, die mit Hilfe einer modifizierten Stockholmer Methode konstruiert wurden.

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EBI Webinar: Biochar Persistence and Its Measurement in Soils

4.12.2024, 11 – 12 h

Marie-Liesse Aubertin von IFP Energies nouvelles stellt die Ergebnisse ihrer Publikation “Biochar persistence in soil and its quantification using the Rock-Eval® thermal method” vor.

Es hat sich gezeigt, dass sich Pflanzenkohlepartikel aufgrund ihrer geringen Dichte oft als freie Partikel in der Umwelt bewegen. Die Rückverfolgung des Verbleibs von Pflanzenkohle im Boden bleibt eine Herausforderung und erfordert eine genaue Quantifizierung. In Aubertin et al. 2024 (https://doi.org/10.1016/j.geoderma.2024.116974) wurde eine Methode zur Quantifizierung von Pflanzenkohle in landwirtschaftlichen Böden vorgeschlagen, die auf der thermischen Analysenmethode Rock-Eval® basiert. Die letztgenannte Analyse besteht in der Messung der Kohlenstoffemissionen während aufeinanderfolgender Pyrolyse- und Oxidationsstufen. Aus Biokohle gewonnener Kohlenstoff wird hauptsächlich in einem bestimmten Temperaturintervall während der Oxidationsstufe emittiert. Die Quantifizierung dieser Emissionen ermöglicht eine gute Abschätzung der Pflanzenkohlemenge in landwirtschaftlich genutzten Böden. Diese Methode zeigte auch gute Ergebnisse bei der Abschätzung der relativen Menge an pyrolysiertem Kohlenstoff aus einem archäologischen Boden.

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USBI/USBS-Webinar:  PFAS-Entfernung aus rezykliertem Wasser mittels Biochar

“Biochar-based system for the removal of per- and polyfluoroalkyl substances (PFAS) from recycled water.”

12.12.2024, 16.50 – 18 h

Biochar ist ein wirksames und kostengünstiges Adsorptionsmittel für PFAS-Moleküle und könnte zur Verringerung ihrer Umweltmobilität verwendet werden. Dr. Ramos wird ihre Forschungsergebnisse zur Optimierung der Eigenschaften von Pflanzenkohle durch Charakterisierung von Rohstoffen, Pyrolysetemperatur und post-pyrolysis-Modifikation zur Maximierung der PFAS-Retention vorstellen.

News

Deutsches Climate-Tech-Startup autarkize: innovative Biogastechnologie mit Biochar-Produktion

Autarkize, ein wegweisendes deutsches Climate-Tech-Startup, hat durch eine Anstoß-Finanzierung in Höhe von 2,3 Millionen Euro einen wichtigen Meilenstein erreicht. Diese Investition, die vom High-Tech Gründerfonds angeführt wird, zielt darauf ab, die Mission von autarkize in Richtung industrieller Dekarbonisierung und CO2-Reduzierung durch seine innovative Biogastechnologie voranzutreiben.

Das aus Pfronten, Deutschland, stammende Unternehmen autarkize nutzt fortschrittliche Technologien, um biogene Reststoffe in erneuerbares Gas und Biochar umzuwandeln, was einen doppelten Nutzen für die Energieerzeugung und die Kohlenstoffbindung bietet. Diese Entwicklung ist ein vielversprechender Schritt in den weltweiten Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels.

Durch die Umwandlung von biogenen Reststoffen wie Altholz und Nebenprodukten der Vergärung in Gas und Biochar bietet es eine nachhaltige Alternative zu fossilen Brennstoffen. Diese Technologie liefert nicht nur Energie, sondern spielt auch eine wichtige Rolle bei der Kohlenstoffbindung, indem sie aktiv CO2 aus der Atmosphäre entfernt.

Jede der Anlagen von autarkize ist in der Lage, jährlich zwischen 1.400 und 5.500 Tonnen CO2 zu binden und gleichzeitig bis zu 10 GWh erneuerbare Energie zu erzeugen. Solche bedeutenden Beiträge unterstreichen das Potenzial der Technologie bei der Reduzierung des globalen CO2-Fußabdrucks und der Förderung von Initiativen zur ökologischen Nachhaltigkeit.

Events, News

Zum Nachschauen: Aufzeichnung des  5th Expert Group Meeting on Carbon Removals vom 21.10.2024

Wer Interesse am Fortschritt der Verhandlungen auf EU-Ebene über die Zertifizierbarkeit von Carbon Credits mit Pflanzenkohle hat, kann das Archiv des Streaming-Angebots der Europäischen Kommission nutzen. In diesem Video wird das Thema BCR (Biochar Carbon Removal) im letzten Viertel der 9 Stunden behandelt. Die Einleitung zur Thematik am Beginn des Videos sollte dennoch nicht versäumt werden.

Events, News

C.A.R.M.E.N.- WebSeminar „Pflanzenkohle – der Landwirt als CO2-Farmer? Grundlagen und Potenziale“

14.11.2024, 14-15 h

Im kostenlosen WebSeminar „Pflanzenkohle – der Landwirt als CO₂-Farmer?“ informiert C.A.R.M.E.N. e.V. über die folgenden Grundlagen des Themenbereichs Pflanzenkohle:

  • Grundlagen der Pflanzenkohle: Was ist Pflanzenkohle und wie wird sie hergestellt? Welche verfügbare Anlagentechnik gibt es? Welche landwirtschaftlichen Rohstoffe eignen sich zur Herstellung? Welche Qualitätskriterien existieren?
  • Einsatzmöglichkeiten von Pflanzenkohle: Wo wird Pflanzenkohle eingesetzt? Welcher Zusammenhang besteht zwischen Terra Preta und Pflanzenkohle? Welche Vermarktungsmöglichkeiten gibt es heute und welche könnten sich in der Zukunft ergeben?
  • CO₂-Speicherung und Negativemissionen: Wie kann Pflanzenkohle dazu beitragen, dauerhaft CO₂ zu speichern und negative Emissionen zu erzeugen? Wie werden diese Negativemissionen vergütet?
  • Abwärmenutzung von Pyrolyseanlagen: Wie kann die bei der Pflanzenkohleproduktion entstehende Wärme z.B. durch den Verkauf über ein Wärmenetz genutzt werden?

Die Veranstaltung richtet sich insbesondere an landwirtschaftliche Betriebe sowie an alle fachlich und inhaltlich Interessierten.

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Neuer Report über Negativ-Emissionen: Europa und Deutschland als Katalysatoren einer Billionen-Euro-Industrie

Dieser Bericht vom Deutschen Verband für Negative Emissionen (DVNE) und von der Boston Consulting Group (BCG) beschäftigt sich mit der Entnahme von Kohlendioxid (CDR) als integraler Bestandteil der Eindämmung des Klimawandels. Es werden 14 natur- oder technologiebasierte CO2-Entnahmetechnologien, darunter auch Pflanzenkohle, bezüglich Dauerhaftigkeit, Entnahmepotenzial, Umsetzbarkeit, Verifizierbarkeit, Skalierbarkeit und Kosten verglichen. Es wird ein 15-Punkte-Aktionsplan zur Überwindung von CDR-Hindernissen vorgestellt.