Schon bevor es globale Kohlenstoffmärkte gab, wandelten Produzenten im Globalen Süden Ernterückstände mithilfe von offenen Öfen, Flammenvorhanggruben und einfachen Pyrolysebehältern in Biochar um. Der Kon-Tiki-Ofen, der auf Flammenvorhang-Pyrolyse basiert, formalisierte und verfeinerte diese Tradition – und der Global Artisan C-Sink Standard machte daraus einen Weg zur Beteiligung am CO₂-Markt für einige der weltweit kleinsten Produzenten. Das KonTiki-Verfahren ermöglichte eine dezentrale Biocharproduktion, aber der Nettoklimavorteil hängt stark vom Ausmaß der während der Produktion verursachten Methanemissionen ab. Die Studie von Lotz et al. verglich Emissionen der Flammenvorhang-Pyrolyse mit dem offenen Verbrennen von Ernterückständen. Fünf Rohstoffe wurden über verschiedene Feuchtigkeitsgehalte hinweg getestet und Temperatur und Konzentrationen von CO2, CO, CH4 (Methan) und C3H8 (Propan) im Rauchgas kontinuierlich gemessen. KonTiki-Pyrolyse führte zu geringeren CO- und CH4-Emissionen als das offene Verbrennen, insbesondere bei Weizenstroh. Trockene Rohstoffe (≤ 15 % Feuchtigkeit) lieferten geringe Methanemissionen (< 5 g kg−1 Biochar), während feuchte Rohstoffe (≥ 25 % Feuchtigkeit) bis zu zehnfach höhere Emissionen erzeugten. KonTiki-Methanemissionen ließen sich am besten durch die Rauchgastemperaturen erklären, die einen exponentiellen Rückgang der Methanemissionen bei steigenden Temperaturen zeigen. Die Kontrolle der Feuchtigkeit der Rohstoffe und die Aufrechterhaltung hoher Temperaturen werden als entscheidend angesehen, um Methanemissionen zu minimieren und KonTiki-Öfen als effektive Übergangstechnologie für dezentrale Biochar-Produktion und CO2-Entfernung zu ermöglichen.
Im Vergleich zur offenen Verbrennung reduzierte die KonTiki-Pyrolyse die CO-Emissionen um etwa 35 % und Methan im Durchschnitt um 36 %. Für Weizenstroh – einer der weltweit am häufigsten verbrannten Ernterückstände – war die Reduktion statistisch signifikant und groß. Entscheidend ist, dass jede Tonne pyrolysiertes Stroh etwa 200 kg Biochar erzeugte, was bei der Anwendung auf den Boden eine Kohlenstoffsenke von mehr als 500 kg CO₂-Äquivalent darstellt.
Zitat:
Lotz, S., Hagemann, N., Hölscher, D. und Schmidt, H.-P.: Methane Emissions From Flame Curtain Pyrolysis (Kon- Tiki). GCB Bioenergy, 2026; 18:e70108 https://doi.org/10.1111/gcbb.70108
