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Deutschland: Biochar-Produktion für die Fernwärme von Dessau

In Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt) entsteht ein Biochar-Produktionsstandort, der biogene Reststoffe durch Pyrolyse in Pflanzenkohle und erneuerbare Fernwärme umwandelt. Stadtwerke Dessau und Novocarbo haben dafür einen 15-jährigen Liefervertrag geschlossen.

Holzhackschnitzel und andere biogene Reststoffe der Land- und Forstwirtschaft, die sonst meist in Verbrennungsanlagen enden, sollen in Dessau-Roßlau künftig Wohnungen heizen und gleichzeitig Kohlenstoff dauerhaft binden. Die Stadtwerke Dessau und das Hamburger Unternehmen Novocarbo haben einen langfristigen Wärmeliefervertrag unterzeichnet, der den Bau und Betrieb des sogenannten Carbon Removal Park Dessau vorbereitet. Der Vertrag sieht eine jährliche Liefermenge von bis zu 13,5 Gigawattstunden (GWh) erneuerbarer Wärme vor und läuft 15 Jahre ab Inbetriebnahme. Die Inbetriebnahme ist spätestens für den 1. Januar 2028 geplant.

Das technische Herzstück der Anlage ist das Biochar Carbon Removal-Verfahren (BCR) mittels Pyrolyse von biogenen Reststoffe bei Temperaturen zwischen 600 und 700 °C unter weitgehendem Luftabschluss. Dabei entsteht Pflanzenkohle (Biochar), in der der pflanzliche Kohlenstoff dauerhaft gebunden bleibt, sowie nutzbare Prozesswärme, die in das Fernwärmenetz eingespeist wird. Der Pyrolyseprozess ist autotherm, das heißt, er hält sich nach dem Anfahren mit der Energie der eingebrachten Biomasse selbst aufrecht. Novocarbo bezeichnet die erzeugte Wärme deshalb als klimaneutral. Die Pflanzenkohle, die als Nebenprodukt entsteht, lässt sich vielseitig verwenden, etwa als Bodenverbesserer in der Landwirtschaft, als Zusatzstoff in Asphalt oder als Rohstoff in der Bauwirtschaft. Für Novocarbo bedeutet der Abschluss in Dessau einen weiteren Schritt beim Aufbau seines europäischen Netzwerks von Carbon Removal Parks. Bis 2033 plant das 2017 gegründete Hamburger Unternehmen den Bau von 200 solcher Parks in Europa.