Europa ist dabei, Kohlenstoffentfernungen (CDR) in den größten Markt für CO2-Compliance der Welt, das EU-Emissionshandelssystem (ETS), zu integrieren.
Seit der Vorschlag der Europäischen Kommission am Freitag, den 17. Juli 2026, veröffentlicht wurde, hat es zahlreiche Reaktionen gegeben. Für die Biochar-Szene stellt der derzeitige Vorschlag eine Benachteiligung gegenüber DACCS (Direct Air Capture with Carbon Storage) und BECCS/BioCCS (Biogenic Carbon Capture and Storage) dar, wogegen gut begründete Einwände erhoben worden sind.
Bemerkenswert ist, dass die dritte permanente CRCF-Methodik – die Entfernung von Kohlenstoff durch Biochar (BCR) – trotz einer sehr positiven Bewertung durch die Kommission selbst nicht enthalten ist. Diese Entscheidung wurde bereits vom führenden Parlamentsabgeordneten, der diese Akte verhandelt hatte, öffentlich hinterfragt. Trotz des erklärten Ziels, die technologische Neutralität zu fördern, konzentriert sich der Vorschlag fast ausschließlich auf BioCCS und DACCS.
Die eigene Schätzung der Kommission besagt, dass sie zwischen 2031 und 2040 250 Mio. Tonnen CDR mit einem Budget von 35,7 Milliarden bis 55,5 Milliarden Euro kaufen würden. Die Finanzierung würde aus dem Verkauf von 250 Millionen EU-Emissionszertifikaten (EUAs) stammen, deren Preise schwer vorherzusagen sind. Derzeit liegen sie bei etwa 80 €, sodass das Budget heute bei 20 Milliarden Euro liegen würde. EUAs sollen von Natur aus teurer werden, und die Kommission geht davon aus, dass sie irgendwann Ende der 2030er Jahre die 200 Euro pro EUA überschreiten werden. Im Durchschnitt planen sie also, für jede verkaufte EUA eine Tonne CDR zu kaufen. Die Käufe werden direkt von der Kommission in Form von Abnahmen getätigt, möglicherweise mit einer kleinen Vorauszahlung, und der Rest wird bei Lieferung bezahlt. Die ersten Offtakes könnten bereits 2031 erfolgen, und die genaue Methode (Ausschreibung, umgekehrte Auktion oder Flat Rate) ist noch nicht festgelegt.
BCR ist die am weitesten entwickelte Technologie für CDR (TRL 8–9) und stellt durch ihre Marktreife über 80 % der am freiwilligen Markt gehandelten permanenten Entnahme-Zertifikate. BCR ist auch die derzeit billigste Methode, um CO2 dauerhaft zu speichern (aktuell USD 136 gegenüber USD 220 BECCS und USD 516 DACCS; https://www.cdr.fyi/ ). Dadurch würde die Entnahme-Beschaffung unnötig verteuert und Industrie sowie indirekt auch die Haushalte in Europa belasten. Die Verlässlichkeit von BCR ist durch die CRCF-Vorgaben (einschließlich Qualitäts- und Monitoring-Vorgaben) gewährleistet und wird derzeit durch die EBC-Richtlinie, die EU-Düngeproduktverordnung und durch die für 2027 erwartete DIN-Norm (DIN 4883-1) standardisiert.
Diese und ähnliche Argumentationen wurden z.B. durch Positionspapiere von Interessensverbänden wie German Biochar e.V. der Kommission übermittelt.
(siehe auch die ÖBIKA-Meldung vom 13.8.2026)
