Im Bestreben, den firmenspezifischen CO2-Fußabdruck zu reduzieren, hat Microsoft mit der Plattform CarbonFuture ein Abkommen getroffen, durch die Pflanzenkohleherstellung aus Abfällen der Forstwirtschaft in Bolivien einen atmosphärischen CO2-Entzug von 32000 t zu schaffen. Die produzierte Pflanzenkohle soll vor Ort zur Verbesserung landwirtschaftlichen Bodens bei indigenen Gemeinden beitragen.
Autor: hmcityzen
Bisherige Schätzungen der Halbwertszeit von Biokohle-Kohlenstoff dürften deutlich zu gering ausgefallen sein.
In einer neuen Publikation (Sanei et al., 2024) wurde die Lebensdauer von Biokohle im Boden aus geologischer Sicht und mit geologischen Analyseverfahren untersucht. Durch den Vergleich mit fossilen Kohlen wurde festgestellt, dass die Halbwertszeit der meisten Biokohlen (wenn sie unter Pyrolyse-Bedingungen von über 550 °C hergestellt worden sind) sich nicht im Bereich von Jahrhunderten, sondern von Millionen von Jahren bewegt.
Regenwürmer mögen (meistens) Pflanzenkohle
Ein Review-Artikel (Cui et al., 2023) untersuchte die gegenseitige Beeinflussung von Pflanzenkohle und Regenwurmaktivität bezüglich der Förderung von Bodenfruchtbarkeit und Pflanzenertrag. Die Autoren stellten fest, dass niedrige Biokohle-Dosen für Regenwürmer günstig sind, hohe Dosen hingegen bei manchen Biokohlen Regenwürmer schädigen. Unter „hohen Dosen“ wurden Konzentrationen von 5-10 % Biokohle im Boden verstanden, was aber in der üblichen landwirtschaftlichen Praxis kaum jemals angewendet wird. Weiters wurde festgestellt, dass Pflanzenkohle in den hohen Konzentrationen weniger schädlich als Biokohle aus Hühnermist wirkte.
Graphitelektroden aus Biochar für Li-Ionenbatterien in E-Fahrzeugen
Durch den Einsatz von „Biographit“-Anoden in Lithium-Ionen-Batterien kann die Batterie-Anoden-Abhängigkeit von China reduziert werden. Fossiler Graphit variiert qualitätsmäßig selbst innerhalb einer Lagerstätte stark, und synthetischer Graphit hat eine geringere Kapazität als Biographit. Hergestellt wird Biographit aus Nebenprodukten der Forst- und Holzwirtschaft über den Weg der Pflanzenkohle-Produktion.
Neues Forschungsprojekt über die Bekämpfung des Eschentriebsterbens mit Biokohle
Das Eschentriebsterben, verursacht durch den Pilz Hymenoscyphus fraxineus, setzt in Europa vielen Eschenbeständen zu und hat auch in Österreich bereits zu großflächigen Verlusten und notwendig gewordenen Rodungen geführt. Bei einer geplanten Studie im UK wird die Bekämpfungs- und Vorbeugungsmöglichkeit mittels Biokohle untersucht. Die in einer unabhängigen Studie bereits einmal nachgewiesenen Reduktion der Infektionsrate beruht auf der Erhöhung der Aktivität günstiger, immunitätserhöhender Mikroorganismen in der Wurzelzone und Verbesserung des Nährstoff- und Wasserangebots für die Bäume. Diese stress-reduzierenden Wirkungen verbessern das Abwehrsytem des Baums, um die Pilzkrankheit zu bekämpfen.
Biokohle im Betonbau
Die österreichische Forschungsstudie RCC2 (Reduced Carbon Concrete) untersucht das Potenzial innovativer Betonrezepturen zur Dekarbonisierung von Beton. Das breit aufgestellte Konsortium präsentiert Möglichkeiten, wie es gelingen kann, CO2-reduzierten bis hin zu bilanziell klimaneutralem Beton als neuen Stand der Technik zu etablieren. Die Versuchsserien beinhalteten auch Betonrezepturen mit technischem Kohlenstoff (vulgo Biokohle) und fanden ein CO2-Einsparpotential gegenüber dem Referenzbeton von 67 bis 80 %.
ÖBIKA-Generalversammlung 2023
19.12.2023, 11 h (Online und Präsenz: 1190 Wien, Muthgasse 107, 1. Stock).
Bei Präsenzteilnahme wird um Anmeldung gebeten.
Webinare – aktuell und zum Nachhören
Green Carbon Webinar Series (verschiedenste Themen, kostenfrei)
Pflanzenkohle in der Kompostierung und in der regenerativen Landwirtschaft (kostenfrei)
Vorträge des IBI 2023 Annual Symposium (gegen Gebühr)
Fachmesse für Bioökonomie mit Schwerpunkt „erneuerbarer Kohlenstoff“
24.-25.1.2024, Bio360Expo in Nantes / F
Zwei neue Studien zur aktuellen Abschätzung des globalen Pflanzenkohle-Potentials aus nicht benutzter Biomasse
Im Artikel „Potential for biochar carbon sequestration from crop residues: A global spatially explicit assessment” zeigen Karan et al., wie die globale Verteilung und die Menge von Ernterückständen aussieht, welche zur Pflanzenkohle-Produktion verwendet werden könnte. Die Autoren berechnen, dass unter Berücksichtigung der derzeitigen Nutzung der Ernterückständen in der Tierhaltung (Stroh etc.) und zur Vermeidung von Bodenverschlechterung noch etwa 0,5 Mrd. Tonnen pro Jahr an Kohlenstoff zur Verfügung stehen. Dies sind etwa 21 % des gesamten Potentials an Ernterückständen. Bei Pyrolyse des nachhaltig nutzbaren Anteils der Ernterückstände zu Pflanzenkohle könnten damit jährlich 1.25-2.64 Mrd. Tonnen an CO2-Äquivalenten gebunden werden, was 3-7 % der globalen jährlichen CO2-Emissionen entspricht.
Im Artikel „Biomass residue to carbon dioxide removal: quantifying the global impact of biochar” beziehen Lefebvre et al. nicht nur Ernterückstände, sondern auch Reststoffe aus der Forstwirtschaft, Tierhaltung und Abwasserbehandlung ein. Die Studie berücksichtigt die länderweise unterschiedlichen Verfügbarkeiten von Biomasse sowie die unterschiedlichen klimatischen Bedingungen, welche auf den Anteil des nach 100 Jahren im Boden noch vorhandenen Kohlenstoffs Einfluss nehmen. Diese 100-jährige Kohlenstoff-Permanenz wird mit mindestens 76 % in tropischen Regionen und bis zu 94 % in hohen Breitengraden angenommen. Unter Einbeziehung der Daten von 155 Ländern kommen die AutorInnen zum Schluss, dass ca. 6 % der globalen Treibhausgas-Emissionen dieser Länder durch Pflanzenkohle wieder aus der Atmosphäre entfernt werden könnten.
