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Workshop zum Forschungsprojekt TerraBayt – Nutzungspotenziale von Pflanzenkohle in der bayerischen Landwirtschaft

17.12.2024, Freising / DE

Das Forschungsprojekt TerraBayt  „Nutzungspotenziale von Pflanzenkohle und Terra Preta in der Bayerischen Landwirtschaft – Beitrag zu Klimaschutz und Klimaanpassung“ beschäftigt sich nun seit über drei Jahren mit diesem Thema und nähert sich dem Ende der ersten Projektphase.

Am 17.12.2024 laden C.A.R.M.E.N. und TU München herzlich zu dem Workshop an der Technischen Universität München in Freising ein. Es werden die bisherigen Projektergebnisse vorgestellt und einen Ausblick auf das Folgeprojekt TerraBayt 2.0 gegeben.

Die Veranstaltung richtet sich an alle interessierten an dem Themenbereich Pflanzenkohle in der Landwirtschaft. Besonders möchten wir Landwirte einladen, die bereits erste Erfahrungen mit Pflanzenkohle gesammelt haben. Nutzen Sie die Gelegenheit Ihre Erkenntnisse einzubringen und sich auszutauschen.

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Dänemark veröffentlicht neue Pyrolysestrategie, um die Einführung von Biochar zu beschleunigen

Dänemark, eines der führenden europäischen Länder in Bezug auf den Klimaschutz, hat ein umfassendes Pyrolyse-Arbeitsprogramm und eine Strategie veröffentlicht, die darauf abzielen, die weit verbreitete Einführung von Biochar (Biokohle) in der Landwirtschaft zu beschleunigen.

In Anerkennung des erheblichen Einflusses, den Biochar im Kampf gegen die Klimakrise haben könnte, beabsichtigt Dänemark, Biochar als ergänzenden Ansatz zu seinen anderen Maßnahmen zu nutzen, die auf das Ziel hinarbeiten, bis 2045 Netto-Null zu erreichen und bis 2050 eine kohlenstoffnegative Wirtschaft zu werden.

Mit dieser neuen, ausgefeilten Strategie hofft die dänische Regierung, Richtlinien festzulegen, die die größten Hindernisse beseitigen, die der Skalierung der Nutzung von Pflanzenkohle im Land im Wege stehen.

Die neu veröffentlichte Strategie für Pflanzenkohle folgt auf eine Ankündigung der dänischen Regierung Anfang des Jahres, in der sich die Regierung des Landes zu einer Investition von 1,35 Milliarden (1,4 Milliarden US-Dollar) verpflichtete, um die Einführung von Pflanzenkohle in der Landwirtschaft zu fördern, in der Hoffnung, bis 2030 etwa 1,8 Millionen Tonnen Kohlendioxid zu reduzieren.

News

Bakkafrost Scotland kurbelt Kreislaufwirtschaft durch Pyrolyse von Klärschlamm an

Bakkafrost Scotland – ein Produzent von Zuchtlachs – hat Pläne angekündigt, seine Anlage in Applecross RAS mit einem hochmodernen System zu erweitern, das Abfallprodukte in Dünger umwandelt. Bei diesem wird Biochar aus Abfällen hergestellt, die in der Anlage in Applecross RAS anfallen.

Das überschüssige Material ist ein Nebenprodukt aus dem Abwasserbehandlungsprozess. Das von Bakkafrost vorgeschlagene Verfahren trocknet den Schlamm und verwandelt ihn in Biochar, die als Dünger und Bodenverbesserer verwendet werden kann, um die Struktur und den Wasserrückhalt in den Böden zu verbessern.

Foto: Timothy Knepp, USFWS auf Pixnio

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Pflanzenkohle filtert Mikroplastik aus landwirtschaftlichen Böden

WissenschaftlerInnen haben in einer neuen Studie gezeigt, dass Röhrchen mit Biochar (Pflanzenkohle) bis zu 92,6 % von Mikroplastik herausfiltern konnten.

Im Labor stellten die ForscherInnen mit Pflanzenkohle gefüllte Säulen her und experimentierten mit zwei Arten: Biochar aus Zuckerrohr und aus Kiefernholz. Frühere Forschungen deuten darauf hin, dass elektrostatische Wechselwirkungen zwischen Biochar und anderen Substanzen eine Rolle dabei spielen, Mikropartikel auf ihrer Oberfläche zu sorbieren.

Bei der genauen Beobachtung der fluoreszierenden Partikel, während sie Wasserproben durch diese Säulen strömten, stellten die Forscher fest, dass Biochar in der Lage war, erstaunliche 86 bis 92 % der Partikel von jeder Säule zu entfernen.

Von den beiden Arten von Biochar war Kiefernholz-Biochar besser als Zuckerrohr-Biochar darin, den Kunststoff einzufangen. Die Forscher vermuten, dass dies auf die größere, rauere und porösere Beschaffenheit der Kiefernholz-Biochar zurückzuführen sein könnte.

Wenn sich die Ergebnisse im Freiland replizieren lassen, würde dies eine Möglichkeit eröffnen, die meisten Plastikschadstoffe zu stoppen, die von Ackerland abfließen, bevor sie in Böden, Bäche und schließlich ins Meer gelangen.

Foto: https://www.flickr.com/photos/oregonstateuniversity/21282786668

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Kaffee-Biochar-Beton auf australischen Straßen und Wegen

MRPV und das Projektunternehmen BildGroup arbeiten gemeinsam mit der RMIT University an der ersten Verwendung von Kaffeebeton für den Pakenham Roads Upgrade, bei der verbrauchter Kaffeesatz verwendet und in Pflanzenkohle umgewandelt wird.

Dieser Kaffee-Biochar-Beton hat das Potenzial, große Mengen an Abfallmaterial von der Deponie fernzuhalten und den resultierenden Beton um 30 Prozent zu verstärken, basierend auf Forschungen der RMIT University.

Allein für dieses Projekt wurden fünf Tonnen verbrauchter Kaffeesatz – Kaffeesatz im Wert von etwa 140.000 Kaffees – in zwei Tonnen nutzbare Pflanzenkohle umgewandelt, die in 30 Kubikmeter Beton eingebracht wurde, der für den Fußweg an der McGregor Road in Pakenham verwendet wird.

Untersuchungen des RMIT zeigen, dass die Verwendung von Kaffee-Biochar in Beton das Potenzial hat, die Festigkeit von Beton um bis zu 30 % zu erhöhen und die Menge an Sand und den Gesamtzementbedarf in einer Betonmischung zu reduzieren. Diese Innovation hat das Potenzial, eine umweltfreundlichere und wirtschaftlichere Alternative zu herkömmlichen Betonmischungen zu schaffen.

Pflanzenkohle erhöht die Festigkeit von Beton und reduziert gleichzeitig die Menge an feinem Zuschlagstoffsand und Gesamtzement, die in der Betonmischung benötigt werden. Zusammen mit den Vorteilen für die Umwelt macht dies Pflanzenkohle zu einer attraktiven Alternative zu herkömmlichen Betonmischungen.

Die australische Regierung finanziert den 415,7 Millionen AUS-Dollar teuren Ausbau der Pakenham-Straßen vollständig.

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Pflanzenkohle im Gemüsebau: öffentliches Abschluss-Webinar des Projekts PK-BIG

Termin: 28. November 2024, 17-20 Uhr per Zoom.


Nach beinahe zwei Jahren ist es soweit und das Forschungsprojekt „Pflanzenkohle und Blühstreifen im Gemüsebau (PK-BIG) neigt sich dem Ende zu – Zeit für ein Fazit. Die Projektpartner von der Hochschule Offenburg, der Universität Tübingen, dem Ithaka Institut, EDEKA, dem Gemüsering und German Biochar e.V. waren angetreten, um den Einsatz von pflanzenkohle-basierten Düngemitteln und die Anlage mehrjähriger Blühstreifen in die Betriebsabläufe von Höfen des Gemüserings zu integrieren und wissenschaftlich zu begleiten.

Ein Kernelement des Projektes war die Entwicklung und Erprobung von Pflanzenkohle-Pellets und Granulaten mit Blick auf die möglichst einfache Anwendung und Ausbringungstechnik im Gemüsebau. Neben diesen wertvollen Praxis-Untersuchungen wurden Gewächshausversuche zu Extremwetterereignissen durchgeführt, um die Produkte weiter zu optimieren.

Parallel dazu wurden Maßnahmen zur Verbesserung der Biodiversität untersucht, konkret die Anlage ein- und mehrjähriger Blühstreifen, um Nützlingen und Tagfaltern Lebensraum zu bieten und zu untersuchen ob sich der Schädlingsdruck auf die daneben angepflanzten Kulturen reduzieren lässt.

Auch in den Blühstreifen wurde Pflanzenkohle eingesetzt, allerdings nicht zur Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit, sondern als Maßnahme zur Spontanabhagerung, um im Übermaß vorhandene Nährstoffe an den Ackerrändern mit unbeladener Pflanzenkohle zu binden und mehrjährigen Blühmischungen einen Vorteil gegenüber Ackerunkräutern zu bieten.

Die Veranstaltung ist kostenlos und richtet sich an alle, die sich für das Thema interessieren.

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Vertikale Pflanzenkläranlage mit Pflanzenkohle: Start des VertiKKA-Reallabors in Weimar

Björnsen Beratende Ingenieure GmbH und German Biochar melden:

Im Rahmen der Initiative „Ressourceneffiziente Stadtquartiere – RES:Z“ wurden am 05. September 2024 die Prototypen der vertikalen Kläranlage VertiKKA an einer Gebäude-Fassade der Bauhaus-Universität in Weimar installiert. Mit der innovativen Klima-Kläranlage in vertikaler Ausrichtung werden verschiedene, im Einzelnen bereits bewährte Elemente kombiniert, welche sich gegenseitig begünstigen sollen: Fassadenbegrünung, Grauwasserreinigung u.a. mit Pflanzenkohle und Energieerzeugung durch Photovoltaik. In dem Reallabor an der Wand des Universitätsgebäudes in Weimar werden nun über mehrere Monate unterschiedliche Daten erfasst – u.a. inwiefern sich die Reinigungsleistung des Grauwassers und die Geruchsentwicklung durch den Einsatz von Pflanzenkohle verbessern lässt.

Foto: https://www.flickr.com/photos/jingdianjiaju2/3982765727

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Fachartikel: Langzeitdünger auf Biochar-Basis

Standardization, certification, and development of biochar-based fertilizer for sustainable agriculture: An overview

Divyangkumar et al., 2024

https://doi.org/10.1016/j.epm.2024.10.001

Die wachsende Weltbevölkerung und schrumpfende Ackerflächen stellen die Landwirtschaft vor Herausforderungen. Herkömmliche Düngemittel steigern die Produktivität, bringen aber auch ökologische und wirtschaftliche Bedenken mit sich. Langzeitdünger (slow-release-fertilizer) sind ein Versuch, eine nachhaltige Landwirtschaft zu unterstützen, indem Kosten und Umweltbelastungen gesenkt werden. Pflanzenkohle (Biochar), ein beliebter Bodenverbesserer, gewinnt für den Einsatz in Langzeitdüngern an Aufmerksamkeit. Dieser Bericht untersucht das Potenzial von Pflanzenkohle bei der Schaffung einer kohlenstoffneutralen Umwelt und gibt einen Überblick über SRF-Einstufungen, Biochar-Anwendungsstandards und globale SRF-Standards. Die Übersichtsarbeit schlägt auch mehrere Techniken vor, um die Wirksamkeit von Pflanzenkohle als Düngemittel zu verbessern, darunter Verkapselung, in-situ-Pyrolyse, Imprägnierung, Co-Pyrolyse und Granulation. Insgesamt wird die Verwendung von Langzeitdüngern auf Pflanzenkohlebasis als wirksamer und umweltfreundlicher Ansatz zur Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft angesehen, da sie umweltbewusste Technologien für ein verbessertes Pflanzenwachstum und eine verbesserte Qualität bietet.

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Fachartikel: Pflanzenkohle-Herstellung mit Kon-Tiki: Quantifizierung der Emissionsfaktoren

Emission Factors for Biochar Production from Various Biomass Types in Flame Curtain Kilns

Cornelissen et al., 2024

https://doi.org/10.3390/app14219649

Einfache und kostengünstige Flammenvorhangöfen („Kon-Tiki“; flame-curtain-kiln) sind derzeit die bevorzugte Pflanzenkohletechnologie für Kleinbauern in den Tropen, sind aber global auch für private GarteneignerInnen, Kleingartenvereine etc. eine interessante Option für die Eigenversorgung mit Biochar.  Während für holzartige Rohstoffe (Zweige und Blätter) mit unterschiedlichem Feuchtigkeitsgehalt Gas- und Aerosolemissionen dokumentiert wurden, fehlten bisher Daten zu den Emissionen anderer Arten von Rohstoffen. Ziel dieser Studie war es, die Gas- und Aerosolemissionen für gängige nicht-holzige Rohstoffe zu dokumentieren und die Emissionen aus feinkörnigen, ligninreichen Rohstoffen (Kaffeeschalen) mit denen aus gröberen, ligninarmen Rohstoffen (Maiskolben, Gras, Sesamstängel) zu vergleichen. Während jedes Pyrolysezyklus wurden alle kohlenstoffhaltigen Gase und NOx mit tragbaren empfindlichen Instrumenten überwacht. Anhand von Kohlenstoffbilanzen wurden Emissionsfaktoren in Gramm pro Kilogramm Pflanzenkohle ermittelt. Die resultierenden Methanemissionen lagen bei nahezu Null (<5,5 g/kg Pflanzenkohle) für die Pyrolyse von drei trockenen (~10 % Feuchtigkeit) Maiskolben, Gras und einer 1:1-Mischung aus Gras und holzigen Zweigen. Bei Sesamstängeln wurde Methan während des Pyrolysezyklus nur in zwei verschiedenen Spitzen nachgewiesen. Die Kohlenmonoxid- (CO) und Aerosolemissionen (Total Suspended Particles, TSP) wurden auf einem Niveau gemessen, das den früheren Daten für trockene Zweige entspricht, während die Stickoxidemissionen (NOx) vernachlässigbar waren. Im Gegensatz dazu erzeugte die Pyrolyse von feinkörnigen Kaffeeschalen erhebliche Methan- und Aerosolemissionen, was darauf hindeutet, dass andere Technologien als Flammenvorhangöfen für feinkörnige Rohstoffe besser geeignet sind. In der Zwischenzeit sind fortschrittlichere Systeme mit Synthesegasverbrennung erforderlich, um bei feinkörnigen Biomassen wie Reis, Kaffee und Nussschalen die CO-, Methan- und Aerosolemissionen bei der Pyrolyse ausreichend zu reduzieren.

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Fachartikel: Biogasproduktion und Pyrolyse der Gärreste: eine vielversprechende Kombination

Comparison of pyrolysis and anaerobic digestion processes for wheat straw biomass

Castells et al., 2024

https://doi.org/10.1016/j.egyr.2024.10.016

Aufgrund des wachsenden Interesses an der Nutzung von Biomasse als erneuerbare Energiequelle stellt diese Studie eine vergleichende Analyse zwischen zwei prominenten Biomasse-Umwandlungstechnologien vor: der anaeroben Vergärung und der Biomassepyrolyse. Ziel dieser Studie mit Weizenstroh war es, den Wirkungsgrad, die Energieausbeute und die Umweltauswirkungen zu bewerten und zu vergleichen.

Die anaerobe Vergärung wurde unter mesophilen Bedingungen (35 ± 0,5 °C) unter Verwendung der Methode des biochemischen methanogenen Potentials (BMP) durchgeführt. Die Pyrolyse wurde mittels thermogravimetrischer Analyse (TGA) durchgeführt, um das thermische Verhalten und die kinetischen Parameter der Biomasse zu bestimmen. Die Biogasproduktion führte zu besseren energetischen Ergebnissen, da hohe Methanausbeuten von über 11 mL CH₄ g⁻1 VS (flüchtige Feststoffe; volatile solids) erzielt wurden. Zusätzlich wurde die Integration beider Prozesse in Betracht gezogen, indem Gärreste aus der anaeroben Vergärung einem Pyrolyseprozess unterzogen wurden. Die wichtigsten Ergebnisse zeigen, dass die Aktivierungsenergie (Ea) für Weizenstroh über verschiedene kinetische Methoden hinweg zwischen 166 und 176 kJ⋅mol-1 lag, was auf seine Eignung für die Pyrolyse hinweist. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bei der anaeroben Vergärung nicht nur Biogas entsteht, sondern auch ein Nebenprodukt mit Potenzial für eine effiziente pyrolytische Umwandlung entsteht, was auf vielversprechende Chancen für eine Kombination von integrierter Abfallwirtschaft und erneuerbarer Energieerzeugung hindeutet.

Foto: https://www.flickr.com/photos/foxypar4/