News

News

Bewertung der Biochar-Persistenz

Die neue Bewertungsmethode der Biochar-Persistenz ist eine Innovation von Carbon Standards International, einer Zertifizierungsplattform für C-Senken basierend auf Biochar (https://www.carbon-standards.com/de/home). Die Entwicklung der Methode wurde vom Ithaka-Institut gemeinsam mit führenden Biochar-WissenschafterInnen koordiniert und basiert auf verschiedenen wissenschaftlichen Publikationen. Die neue obere Persistenzklasse der Biochar weist einen geologisch persistenten Kohlenstoff (GPC) von 90 % auf. 

Der Global Biochar C-Sink Standard definiert keinen diskreten physikalischen Biochar-Anteil, von dem angenommen wird, dass er ohne Abbau mehr als 1000 Jahre inert bleibt. Stattdessen wird zwischen zwei konzeptionellen Kohlenstoffsenken-Pools basierend auf den Persistenzwahrscheinlichkeiten nach der Biokohlenanwendung im Boden unterschieden. In Version 3.2 des Global Biochar C-Sink Standard wurden diese Pools als persistenter aromatischer Kohlenstoff (PAC) und semi-persistenter Kohlenstoff (SPC) bezeichnet. Um Missverständnisse aus der strukturellen Bedeutung des Begriffs „aromatisch“ zu vermeiden, ersetzen dieser Anhang und die kommende Version 4.0 des Standards PAC durch den Begriff „geologisch persistenter Kohlenstoff“ (GPC).

GPC bezeichnet den zugewiesenen Anteil des Biokohlenstoffs, der mit hoher Wahrscheinlichkeit über 1000 Jahre nach der Bodenanwendung hinaus bestehen bleibt und somit in den geologischen Kohlenstoffkreislauf eintritt. Der nicht-GPC-Kohlenstoff, der eine temporäre Kohlenstoffspeicherung bietet und voraussichtlich innerhalb von 1000 Jahren nach der Bodenanwendung zu CO2 oxidiert wird, wird weiterhin als SPC bezeichnet und seine Abbaufunktion bleibt unverändert. 

Während ein Bruchteil des Biokohlenstoffs im Boden physikalisch-chemisch geschützt werden kann, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmter polyaromatischer Cluster länger als 1000 Jahre bestehen bleibt, mit der Größe des Clusters und der strukturellen Ordnung. GPC und SPC stellen keine chemisch unterschiedlichen oder scharf trennbaren Fraktionen dar, sondern probabilistische Pools, die unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten einer langfristigen Persistenz widerspiegeln.

Um die relativen Größen der GPC- und SPC-Pools für eine gegebene Biochar abzuschätzen, sind analytische Proxys auf Basis leicht quantifizierbarer Eigenschaften erforderlich. Die beiden Methoden, random reflectance (Ro) und Hydropyrolyse (HyPy), können verwendet werden, um Kohlenstoffpools und Persistenzklassen zuverlässig zu bestimmen.

News, Publikationen

Stand des freiwilligen Kohlenstoffmarktes 2026

Carbon-Direct veröffentlicht den „2026 State of the Voluntary Carbon Market“-Bericht – eine jährliche Analyse darüber, wo der Markt steht und was erfahrene Käufer wissen müssen.

Einige Schlagzeilen aus dem Bericht:

• Die Carbon-Credit-Entnahmen im gesamten freiwilligen Kohlenstoff-Markt (VCM) sanken 2025 um 7 %, trotz eines Anstiegs der Klimaverpflichtungen um 227 %

•Die Nachfrage nach CDR (Carbon Dioxide Removal) ist zukunftsorientiert: Mehr als 90 Mt CDR wurden für zukünftige Lieferungen vertraglich vereinbart

• Warum über 80 % der Kapazität für permanente CDR Gefahr läuft, ohne zusätzliche Entnahmen nicht realisiert zu werden

Die Kluft zwischen dem, was Unternehmen sagen, und dem, was sie tun, wird immer größer.

„Early Movers“ werden Marktstandards definieren und bessere Preise sichern, während Nachzügler mit unsicherem Angebot und Volatilität konfrontiert sein könnten.

News, Publikationen

Biochar als Sorbens für Formaldehyd

Forscher der Vietnam National University produzierten aus Reisspelzenasche eine Polyethylen-Imin (PEI)-modifizierte aktivierte Biochar, welche die Effizienz der Formaldehyd-Entfernung aus der Innenraumluft verdoppelte. Diese energiesparende Lösung bietet eine nachhaltige, skalierbare Methode zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit, indem reichlich vorhandene landwirtschaftliche Abfälle in fortschrittliche Luftfilter umgewandelt werden.

Die aktivierte Biokohle wurde aus Reisschalenasche (RHA) durch chemische Aktivierung in Kombination mit Ultraschallbehandlung gewonnen, wodurch die Notwendigkeit einer Hochtemperaturkalzinierung, ein gängiger Schritt traditioneller Methoden, überflüssig wurde. Diese Ergebnisse zeigen das hohe Potenzial von biomassebasierten Adsorbentien für kosteneffiziente und nachhaltige Raumluftreinigung und bieten einen vielversprechenden Ansatz zum Schutz vor Formaldehyd.

Zitat:

Huynh et al.: Polyethyleneimine-modified activated biochar derived from rice husk ash: material development and preliminary formaldehyde adsorption study. Carbon Research 5:5 (2026)

https://doi.org/10.1007/s44246-025-00244-2

News, Publikationen

Biochar erhöht die Resilienz von Weinreben

Nachhaltiges Bodenmanagement wird zunehmend als unerlässlich für die Gesundheit, Produktivität und Resilienz der Pflanzen anerkannt, insbesondere in Weingarten-Ökosystemen. Im Rahmen des B-Wine-Projekts wurde Biochar als Bodenverbesserer bewertet, um physikalisch-chemische Eigenschaften, Wasserverfügbarkeit, pflanzliche ökophysiologische Funktionen und Ertrag zu verbessern.

Der Versuch wurde in einer Wachstumssaison durchgeführt, ein Jahr nach einer Biochar-Anwendung (16 t/ha FM ≈ 10,4 t/ha TM), in drei biologisch bewirtschafteten Weingärten in der Chianti Classico-Region (Toskana, Italien).

Der Einfluss von Biochar auf die gesättigte hydraulische Leitfähigkeit variierte je nach Boden, Art der Biochar und den Feuchtigkeitsbedingungen. Allerdings wurde der Wasserhaushalt der Heben und der Ertrag verbessert. Berücksichtigt man alle drei Weingartenstandorte, lag der durchschnittliche Ertragszuwachs bei etwa 42 %. Dieses Ergebnis wurde jedoch größtenteils durch ausgeprägte Reaktionen an zwei Standorten verursacht, während der dritte keinen messbaren Anstieg zeigte, vermutlich aufgrund standortspezifischer Unterschiede in Bodeneigenschaften und klimatischen Bedingungen. Insgesamt erwies sich Biochar als effektive, bodenabhängige Strategie zur Verbesserung der Widerstandsfähigkeit der Weinberge, der Pflanzenleistung und der Produktivität unter schwierigen Bedingungen.

Zitat:

Biancalani, A. et al.: Biochar Enhances Vineyard Resilience: Soil Improvement and Physiological Benefits for Sangiovese Vineyards in Varied Soils of the Chianti Classico (Tuscany, Central Italy). Land (2026), 15(2), 245

https://doi.org/10.3390/land15020245

Foto: freepik https://de.freepik.com/fotos-kostenlos/blick-auf-den-schoenen-gruenen-weinberg-in-der-region-suedmaehren-bei-tageslicht_17245926.htm#fromView=search&page=1&position=2&uuid=c21aa4e0-abab-4b7a-8209-2e5cc532be55&query=weingarten

News

Charhow.ch: neue Plattform für Wissensvermittlung über Biochar

Pflanzenkohle in der Landwirtschaft: neue Wissensplattform

Was gilt es bei der Anwendung von Pflanzenkohle in der Fütterung, als Einstreuzusatz, in der Hofdüngeraufbereitung oder in der Kompostierung zu beachten? Wie wirkt sie auf Böden, auf die Tiergesundheit oder auf den Nährstoffhaushalt? Welche Risiken sind mit der Anwendung von Pflanzenkohle verbunden? Antworten liefert charhow.ch. Die neue Wissensplattform von Charnet, dem Schweizer Fachverband für Pflanzenkohle, gibt Anwendungsempfehlungen und zeigt den Stand des Wissens – fundiert aus Forschung und Praxis.

Eine Begleitgruppe mit Vertreter:innen aus Wissenschaft und Praxis begleitete die Erarbeitung der Inhalte fachlich. In regelmäßigen Abständen sollen neue Erkenntnisse in die Plattform einfließen. Anwenderinnen und Anwender sowie Forschende sind eingeladen, ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit uns zu teilen.

News, Publikationen

BioBASE Kompass⁺ veröffentlicht

Daten und Fakten sind die Grundlage, um die Ressourcen im Fluss zu behalten.  So erkennen wir Chancen für mehr Resilienz, Unabhängigkeit und Wettbewerbsfähigkeit. Der neue BioBASE Kompass⁺ visualisiert in interaktiven Charts den Ressourcenfluss und kombiniert diesen mit ökologischen und ökonomischen Kennzahlen des Wirtschaftsstandorts Österreich. Informationen bezüglich der Materialflüsse in der Land- und Forstwirtschaft können auch für Biochar-Produzenten von Interesse sein, um die Verfügbarkeit von pyrolysierbaren Reststoffen abzuschätzen.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Winterstettenstadt_-_Stallrinder_bei_F%C3%BCtterung_02.jpg
News

Pflanzenkohle in der Rinderfütterung – Potentielle Zusatznutzen unter der Lupe

Die Einsatzmöglichkeiten von Biochar in der Landwirtschaft sind vielfältig. In Bezug auf den Zusatznutzen von Pflanzenkohle als Futtermittel für Rinder werden eine Verbesserung der Tiergesundheit, eine Leistungssteigerung und die Reduktion von Methan Emissionen diskutiert.

Die Homepage des Netzwerks „Fokus Tierwohl“ gibt einen Überblick über Biochar-Einsatz in der Fütterung, Kaskadennutzung in der Tierhaltung, eine Definition verschiedener Begrifflichkeiten, rechtliche Grundlagen (Schwerpunkt Deutschland), Links zu sonstigen Informationsquellen und ein Literaturverzeichnis.

Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Winterstettenstadt_-_Stallrinder_bei_F%C3%BCtterung_02.jpg (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic license; Franzfoto)

CO2-neutrale Betonbrücke
News

Weltweit erste CO₂-neutrale Betonbrücke mit Biochar eröffnet

Heijmans, eine holländische Baufirma, sowie Paebbl, eine Klimatechnologie-Firma, haben die weltweit erste CO₂-neutrale Betonbrücke (eine 7 m lange Fußgängerbrücke) eröffnet. Durch die Verwendung von Biochar, recycelten Zuschlagstoffen und mineralisierten Kohlenstofffüllstoffen speicherte die Struktur fast 66 Kilogramm CO₂, benötigte keinen neuen Sand und Kies und erfüllte dabei alle strukturellen Festigkeitsanforderungen für Infrastrukturprojekte. Insgesamt kann der Baustoff bis zu 300 Kilogramm CO₂ pro Tonne Baumaterial speichern.

Die Baufirma nutzte einen beschleunigten Mineralisierungsprozess, der das eingefangene CO₂ millionenfach schneller in stabile feste Mineralien umwandelte als natürliche Kreisläufe. Dieses kohlenstoffspeichernde Material diente als teilweiser Zementersatz und reduzierte den verkörperten Kohlenstoff des Betons um bis zu 30 %. Die endgültige Betonmischung wurde weiter optimiert, indem Biochar und recycelter Beton integriert wurden, wodurch der Bedarf an Primärsand oder Kies entfiel. Dieser zirkuläre Ansatz stellt sicher, dass die Struktur nicht nur neue Emissionen vermeidet, sondern auch Abfallprodukte effektiv nutzt.

Foto: Image courtesy of Paebbls and Heijmans

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:MaxCologne_in_der_Umbauphase_%284841%29.jpg
News

Holcim setzt 2026 auf Biochar-Innovationen im Bauwesen

Die Holcim AG, einer der weltweit führenden Baustoffhersteller, sieht die verstärkte Berücksichtigung von Biochar im Bauwesen als eine der 5 wichtigsten Innovationen für nachhaltiges Bauen im Jahr 2026.

Biochar kann in Zement, Beton und Mörtel eingebettet werden, um deren CO₂-Fußabdruck zu reduzieren, ohne dabei die Leistung zu beeinträchtigen. Das hat Holcim durch mehrere Pilotprojekte bewiesen, unter anderem mit dem Pritzker-Preisträger Alejandro Aravena und seiner Firma ELEMENTAL während der Architekturbiennale von Venedig 2025, wo mit Biochar-Beton ein Prototyp einer vollwertigen Basis-Service-Einheit mit Netto-Null gebaut wurde.

Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:MaxCologne_in_der_Umbauphase_%284841%29.jpg (Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International; Raymond)

News

Biochar-Produktion aus Klärschlamm durch neue integrierte Pyrokarbonisierungslösung erleichtert

SUEZ, ein Weltmarktführer in der Abwasser- und Abfallbehandlung und PYREG, ein Anlagenhersteller für Pyrolyse-Reaktoren, haben das Pyrolis® S2B Pyrokarbonisierungsverfahren entwickelt. In dem System sind die Trocknung und die Pyrolyse organischer Abfälle in einer einzigen Einheit integriert, was die einfachere Umwandlung von entwässertem Schlamm zu Klärschlammkohle ermöglicht. Diese Technologie, die an alle Arten von Infrastruktur angepasst werden kann, reduziert das Abfallvolumen aus kommunalem und industriellem Abwasser erheblich, während der in diesen Rückständen enthaltene Kohlenstoff dauerhaft gespeichert wird.

Entwässerter Schlamm wird zunächst mit einer von SUEZ entwickelten Energiespartechnologie getrocknet, um einen Trockenmassegehalt von 90 % zu erreichen. Der getrocknete Schlamm wird dann in den PYREG-Reaktor eingespeist, wo er die Pyrolyse durchläuft – die Erhitzung organischen Materials auf etwa 600 °C in einer sauerstoffarmen Umgebung. Dies erzeugt eine stabile, kohlenstoffreiche Klärschlammkohle, die frei von PFAS ist, sowie ein kohlenwasserstoffreiches Pyrolysegas.

Das Pyrolysegas wird anschließend bei Temperaturen über 950 °C vollständig oxidiert, wodurch Wärme erzeugt wird, um sowohl die Trocknungsphase als auch die Pyrolyse selbst aufrechtzuerhalten und so die Gesamtenergieeffizienz der Anlage zu optimieren. Hochtemperaturoxidation zerstört außerdem alle PFAS, die im Pyrolysegas vorhanden sein könnten.

Foto: https://s0.geograph.org.uk/geophotos/01/45/00/1450088_10afbd8b.jpg