News, Publikationen

Vom Kaffeesatz zu Biochar in 90 Sekunden

Wie kürzlich im Chemical Engineering Journal veröffentlicht wurde, entwickelten Forscher von KIGAM (Korea Institute of Geoscience and Mineral Resources) eine neue Methode namens Flammenplasma-Pyrolyse, bei der „Kaffeeabfälle in einen Plasma-Zustand gesetzt werden“ und Temperaturen von bis zu 900°C erreicht werden. Die extreme Hitze führt dazu, dass die im Kaffee eingeschlossene Feuchtigkeit „hunderte mikroskopisch kleine Explosionen auslöst“ und so die leichte, poröse Struktur entsteht, die in Biochar erwünscht wird. Die Feuchtigkeit wirkt nicht als Barriere, sondern wird selbst zu einem dampfaktivierenden Mittel, das die Reaktionen beschleunigt und die Produktqualität verbessert. Der gesamte Vorgang dauert nur 90 Sekunden und erfordert kein Vortrocknen.

Jedes Jahr erzeugt der weltweite Kaffeekonsum mehr als 10 Millionen Tonnen verbrauchten Kaffeesatz, von denen die meisten auf Deponien oder Komposthaufen landen oder verbrannt werden, wodurch Treibhausgase freigesetzt und die Umwelt verschmutzt werden.

Bei der traditionellen Pyrolyse wird Kaffeesatz in einer sauerstoffarmen Umgebung zwischen 20 Minuten und einigen Stunden hoher Hitze ausgesetzt. Vor der Pyrolyse muss der Kaffeesatz jedoch eine Vortrocknungsphase durchlaufen, da er durchschnittlich 55% Feuchtigkeit aufweist.

Der Wegfall der Vortrocknung bei der Flammenplasma-Pyrolyse löst eines der Probleme beim Upcycling von Kaffee. Kaffeesatz hat einen hohen Feuchtigkeitsgehalt, der traditionell entfernt werden muss, bevor er zu Biochar verarbeitet werden kann, aber dieser Aufwand schafft Barrieren gegen eine weitere Verbreitung. Der Verzicht auf das Vortrocknen erleichtert die Pyrolyse und macht Kaffeesatz-Biochar zu einer effizienteren Nutzungs-Alternative.

Seine Eigenschaften machen die Kaffeesatz-Biochar nicht nur zu einem erneuerbaren Festbrennstoff, sondern auch zu einem hochwertigen Kohlenstoffmaterial für Umwelt- und Industrieanwendungen.

Zitat:

Park T. et al.: Rapid conversion of wet spent coffee grounds into high-calorific biochar via drying-free flame plasma pyrolysis for process intensification, Chemical Engineering Journal 537, 176452 (2026).

https://doi.org/10.1016/j.cej.2026.176452

Stack of freshly milled wooden boards on a workshop workbench
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Biochar-Beschichtung verbessert den Brandschutz von Holz

Eine koranisch/japanische Forschergruppe hat eine halogenfreie, flammhemmende Verbundbeschichtung für Holz entwickelt, die Polyvinylacetat mit Biochar, Kaolin und Trimethylsilylpolyphosphat kombiniert. Das System reduziert die Wärmeabgabe und die Raucherzeugung erheblich und bietet einen nachhaltigen Weg zur verbesserten Brandsicherheit im Bau und im Innenraum.

Die Beschichtungsformulierung kombiniert Polyvinylacetat (15 Gewicht %) als Bindemittel mit Biochar (0,5 Gewicht %), Kaolin (2 Gewicht %) und Trimethylsilylpolyphosphat (3 Gewicht %), die in Methanol dispergiert sind. Der Verbundstoff wurde durch Lösungsmischung hergestellt und einschichtig in einer Dicke von etwa 0,6 mm auf die Holzoberfläche aufgetragen.

Zitat:

Kolya, H. et al.: Sustainable flame-retardant composite coating for wood using biochar, kaolin, polyvinyl acetate, and trimethylsilyl polyphosphate. Progress in Organic Coatings 215, 110124 (2026).

https://doi.org/10.1016/j.porgcoat.2026.110124

strabag
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STRABAG baut Portfolio für nachhaltige Baustoffe mit Biochar aus

Mit dem mehrheitlichen Einstieg bei der Ökologischen Klärschlammtrocknung Offenhausen GmbH (ÖKT) in Bayern stärkt die STRABAG ihr regionales Engagement im Bereich nachhaltiger Materialien und treibt die Dekarbonisierung in der Bauindustrie weiter voran. Bereits seit zwei Jahren arbeitet eine eigene Einheit an der Entwicklung und Skalierung nachwachsender und mineralischer Rohstoffe, technischen Kohlenstoffs sowie CO₂-reduziertem Beton.

Die ÖKT betreibt im bayerischen Offenhausen eine integrierte Anlage zur Pyrolyse und Klärschlammtrocknung. Dabei werden Biomasse und biogene Reststoffe aus Forst- und Agrarwirtschaft (z. B. Waldhackgut und Maisspindeln) verwertet und zu nach EBC zertifizierbarer Biochar, also technischem Kohlenstoff, umgewandelt. Diese innovative Technologie ermöglicht eine aktive Netto-CO₂-Entnahme aus dem Kohlenstoffkreislauf bei zusätzlicher Energiegewinnung.

Die im Pyrolyseprozess entstehende Abwärme wird zur Trocknung des eingesetzten Materials genutzt. Zudem trocknet sie Klärschlamm, der anschließend als emissionsarmer Brennstoff verwendet werden kann. Ziel ist die langfristige Bindung von CO₂ in Baustoffen wie Beton und Asphalt. Dabei dient Biochar als dauerhafter CO2-Speicher, wie in der EU-Verordnung 2026/285 zu Carbon Removals und Carbon Farming (CRCF) reguliert, und hat zudem das Potenzial, die Materialeigenschaften etwa von Beton zu verbessern.

Der Einsatz von technischem Kohlenstoff eröffnet der Bauwirtschaft neue Wege zur Reduktion von Emissionen.

syncraft
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Strass im Attergau: Syncraft produziert Biochar in EBC-AgroBio-Qualität

Die Reinthalmühle Holzverarbeitungs GmbH in Strass im Attergau (Oberösterreich) betreibt eine neue Variante der Syncraft-Rückwärtskraftwerke: die Integration eines patentierten Desorbers ermöglicht standardmäßig die Produktion von Biochar, welche den Qualitätsstandards der EU-Düngemittelverordnung sowie den Qualitätsstandards des European Biochar Certificate (EBC) für AgroBio entspricht.

Durch die gezielte Nachbehandlung der Biochar wird die für die Zertifizierung nach EBC AgroBio erforderliche Qualität erreicht, ohne dabei den Kohlenstoffgehalt oder andere grundlegende Qualitätseigenschaften der Biochar zu verändern. Die Reinthalmühle nutzt das eigene Waldhackgut als Rohstoff und schafft damit eine geschlossene Wertschöpfungskette – vom regionalen Holz über die Energieerzeugung bis hin zur Produktion hochwertiger Biochar für die Landwirtschaft.

Der Desorber kann sowohl in neue als auch in bestehende Syncraft-Rückwärtskraftwerke integriert werden und benötigt lediglich rund zwei Prozent zusätzliche Energie.

clima award 2026
News

KohleBunt: Sieger des ClimaAward 2026

Im Februar 2026 hatte sich KohleBunt über Mellifera e.V./Netzwerk Blühende Landschaft für den ClimaAward 2026 bei ClimaClic beworben und kamen unter die Top 15 der Nominierten.

Nachdem auch die Jury des ClimaAward vom gemeinsamen Projekt „KlimaBoden“ überzeugt war, ist es nun offiziell:

KohleBunt ist stolzer Sieger des ClimaAward 2026 und hat mit dem 1. Platz ein Preisgeld von 30.000€ gewonnen!!!

Mit dem ClimaAward-Gewinn wird der KohleBunt seine Klimagärtner-Workshops deutschlandweit ausbauen un die selbst hergestellte Pflanzenkohle analysieren lassen können

Mit 5-10 Klimagärtnerworkshops pro Jahr soll Wissen rund um die sachgemäße Herstellung und Anwendung von Pflanzenkohle im Kleingarten sukzessive aufgebaut und damit Deutschlands Gärten zu CO2-Senken werden.

Hintergrund zum Projekt „KlimaBoden“ mit Mellifera e.V.

In dem Projekt KlimaBoden bringt das Netzwerk Blühende Landschaft/ Mellifera e.V. seit 2023 industriell hergestellte, zertifizierte EBC Pflanzenkohle deutschlandweit auf Blütenäcker und Klimabeete in Kommunen. Nun wird das Projekt gemeinsam mit dem KohleBunt um die sachgemäße, eigene Herstellung und Anwendung von Pflanzenkohle im Kleingarten erweitert, labortechnisch begleitet und über die Klimagärtner-Workshops multipliziert.

Wer selbst mit eigenen Pflanzenkohle-Projekten im Garten starten möchte, findet beim KohleBunt unter Downloads sowie beim Netzwerk Blühende Landschaft vielfältige Tipps für Klimabeete – sowohl fürs artenreiche Blütenbeet als auch fürs blühende Gemüsebeet mit Pflanzenkohle.

Events, News

9. Österreichischer Biochar-Day – Verlängerung der Einreichfrist bis 31.7.

Der heurige nationale Biochar-Day findet erstmals an der TU Wien statt!

Im Mittelpunkt stehen Beiträge zu aktuellen Entwicklungen im Bereich Biochar aus Forschung & Praxis sowie der Austausch verschiedener Akteure.

Wir freuen uns auf Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Industrie, Politik & Verwaltung sowie Verbände, Behörden & Entscheidungsträger aus Österreich wie auch international.

Termin: 1. Oktober 2026 (plus Exkursionstag 2. Oktober)

Ort: TU Wien (Böcklsaal), Karlsplatz 13, 1040 Wien

Beiträge – als Poster oder Vortrag – sind nach wie vor willkommen!

Die Einreichung ist noch bis 31. Juli über folgenden Link möglich:  https://oeawcloud.oeaw.ac.at/index.php/s/6FHoPNGymDDfekM

Nähere Informationen dazu finden sich unter

Events, News

Webinar: The State of Biochar in 2025

Datum & Uhrzeit:

8. Juli 2026, 17-18.30 h (CEST)

Was sagen die neuesten Daten über das Wachstum der globalen Biochar-Iindustrie, die Entwicklung des (US-)Marktes und die wachsende Rolle von Biochar bei der Kohlendioxidentfernung?

In einem Webinar der International Biochar Initiative (IBI), des American Biochar Institute (ABI) und von Forschern des State of Carbon Dioxide Removal-Projekts der Universität Oxford erfahren Sie Erkenntnisse aus drei wichtigen Berichten, die auf der Global Biochar Survey 2025 basieren.

Die Teilnehmer gewinnen Einblicke in:

• „Global Biochar Market Report 2025“, der weltweite Produktion, Marktentwicklung, Rohstoffe, Anwendungen und aufkommende Branchentrends untersucht.

• „United States Biochar Market Report 2025“, der einen Maßstab für die Produktion, den Umsatz und das Marktwachstum in den USA festlegt und gleichzeitig wichtige Treiber identifiziert, die die Zukunft der Branche prägen.

• “The State of Carbon Dioxide Removal (3. Auflage)“, mit Bewertung von Biochar im Bereich der Kohlenstoffentfernung und Information über wachsenden Beitrag von Biochar als eine der weltweit etabliertesten neuartigen Methoden zur Kohlendioxidentfernung.

Events, News

Webinar: Von der Pyrolyse zum Carbon Credit: Biochar in jedem Maßstab zertifizieren

Originaltitel: From Kiln to Credit: Certifying Biochar at Every Scale

21. Juli 2026, 17 – 18.30 h (CEST)

Rainbow Standard ist ein vom ICVCM zugelassenes französisches CO₂-Zertifizierungsprogramm und -Register (betrieben von Riverse SAS mit Hauptsitz in Fresnes, Frankreich), das sich auf Biochar spezialisiert hat.

In diesem Webinar erläutert Rainbow Standard, wie die Zertifizierung über das gesamte Spektrum der Biochar-Projekttypen hinweg funktioniert: was die Methodik erfordert und welche wichtigen Bereiche sowohl die Zertifizierung als auch den Verkauf unterstützen. Basierend auf Erfahrungen aus 80+ zertifizierten Projekten wird auf zentrale Annahmen, häufige Herausforderungen, MRV in der Praxis und den Weg zertifizierter Projekte zum Markt eingegangen. Auch wird diskutiert, was Projektentwickler richtig machen, was sie unterschätzen und wie die Biochar-Zertifizierungslandschaft im Jahr 2026 aussieht.

News

EU Carbon Removal Buyers’ Club I: Diskussionspapier über den europäischen CDR-Markt

Der EU Carbon Removal Buyers‘ Club ist ein Konzept, das als Instrument zur Beschleunigung der Entwicklung eines glaubwürdigen, EU-verankerten Marktes für Kohlendioxidentfernung (CDR) dienen soll. Carbon Management Europe und Carbon Gap haben gemeinsam ein Diskussionspapier zur Schaffung eines europäischen Buyers’ Club erarbeitet.

Als zentrale Marktherausforderung wird der Zugang zu kostengünstigem Kapital angesehen. Kapital ist zwar verfügbar, aber nicht zu den Kosten, die CDR-Projekte benötigen. Mangels (auch für Banken) sicherer Erträge bleiben die Risikowahrnehmung für CDR-Projekte und damit auch die Finanzierungskosten erhöht, was Investitionen unattraktiv machen kann. Ein Buyers‘ Club soll als Koordinationsmechanismus die Nachfrage aggregieren, Transaktionskosten senken und als institutioneller Anker fungieren, der notwendig ist, um private Investitionen in großem Umfang zu mobilisieren.

Die Carbon Removals and Carbon Farming Regulation (CRCF) wird als geeignetste regulatorische Grundlage angesehen, da sie den Qualitäts- und MRV-Rahmen bietet, den das Vertrauen der Käufer braucht. Eine Ausrichtung der CRCF auf Flexibilität zur Berücksichtigung zukünftiger Methoden scheint das praktikabelste Gleichgewicht zwischen Glaubwürdigkeit und kurzfristiger Verfügbarkeit zu bieten. In EU- und EWR-Rechtsordnungen entwickelte sich eine Präferenz, Technologien nahe der Kommerzialisierung zu priorisieren.

Ein von Unternehmen geführtes Mitgliedschaftsmodell gilt als die praktikabelste Konfiguration, wobei der Buyers‘ Club als Koordinationszentrum fungiert und bestehende Vermittler und Marktakteure nutzt.

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EU Carbon Removal Buyers’ Club II: Start der Website durch die Europäische Kommission

Die Europäische Kommission hat offiziell die Website ihres Carbon Removals and Carbon Farming (CRCF) Buyers‘ Club gestartet und eine freiwillige Marktplattform eingerichtet, die darauf ausgelegt ist, die Unternehmensnachfrage zu bündeln und Kapital zu mobilisieren. Die Initiative, operiert in Belgien und in der gesamten Europäischen Union und führt einen strukturierten Marktplatz für Käufer und Lieferanten ein, die an zertifizierten CRCF-Einheiten interessiert sind. Die Plattform koordiniert öffentliche und private Finanzierung, um bei Kohlenstoffentfernungstechnologien den Übergang von lokalen Pilotinitiativen zu vollwertigen kommerziellen Betrieben zu beschleunigen. Indem Kohlendioxidentfernung mittels Biochar (BCR) explizit neben DACCS und BECCS aufgenommen wird, festigt der Regulierungs-Rahmen Biochar als anerkannte, geeignete Methode für dauerhafte Kohlenstoffspeicherung.

Die Umsetzung dieses koordinierten Marktplatzes schafft eine Stelle zur Preisgestaltung, die regulatorische Compliance in praktische Investitionen übersetzt. Die erste Koalition aus Unternehmenskäufern, Finanzinstituten und öffentlichen Behörden nutzt das Portal, um Kaufinteresse zu registrieren und zielt darauf ab, die ersten zertifizierten CO2-Entnahme-Vereinbarungen bis Ende 2026 abzuschließen. Diese aggregierte Nachfrage bietet die Einnahmen-Sicherheit, die groß angelegte Biochar-Lieferanten benötigen, um Kapitalmärkte zu erschließen und die Infrastruktur für einen kontinuierlichen kommerziellen Betrieb zu schaffen. Letztlich schafft der Rahmen eine verlässliche Grundlage für die Skalierung dauerhafter Kohlenstoffspeicherung und unterstützt gleichzeitig die Klimaneutralitätsziele der Europäischen Union.