In einer neuen Publikation (Sanei et al., 2024) wurde die Lebensdauer von Biokohle im Boden aus geologischer Sicht und mit geologischen Analyseverfahren untersucht. Durch den Vergleich mit fossilen Kohlen wurde festgestellt, dass die Halbwertszeit der meisten Biokohlen (wenn sie unter Pyrolyse-Bedingungen von über 550 °C hergestellt worden sind) sich nicht im Bereich von Jahrhunderten, sondern von Millionen von Jahren bewegt.
Kategorie: Publikationen
Regenwürmer mögen (meistens) Pflanzenkohle
Ein Review-Artikel (Cui et al., 2023) untersuchte die gegenseitige Beeinflussung von Pflanzenkohle und Regenwurmaktivität bezüglich der Förderung von Bodenfruchtbarkeit und Pflanzenertrag. Die Autoren stellten fest, dass niedrige Biokohle-Dosen für Regenwürmer günstig sind, hohe Dosen hingegen bei manchen Biokohlen Regenwürmer schädigen. Unter „hohen Dosen“ wurden Konzentrationen von 5-10 % Biokohle im Boden verstanden, was aber in der üblichen landwirtschaftlichen Praxis kaum jemals angewendet wird. Weiters wurde festgestellt, dass Pflanzenkohle in den hohen Konzentrationen weniger schädlich als Biokohle aus Hühnermist wirkte.
Webinare – aktuell und zum Nachhören
Green Carbon Webinar Series (verschiedenste Themen, kostenfrei)
Pflanzenkohle in der Kompostierung und in der regenerativen Landwirtschaft (kostenfrei)
Vorträge des IBI 2023 Annual Symposium (gegen Gebühr)
Zwei neue Studien zur aktuellen Abschätzung des globalen Pflanzenkohle-Potentials aus nicht benutzter Biomasse
Im Artikel „Potential for biochar carbon sequestration from crop residues: A global spatially explicit assessment” zeigen Karan et al., wie die globale Verteilung und die Menge von Ernterückständen aussieht, welche zur Pflanzenkohle-Produktion verwendet werden könnte. Die Autoren berechnen, dass unter Berücksichtigung der derzeitigen Nutzung der Ernterückständen in der Tierhaltung (Stroh etc.) und zur Vermeidung von Bodenverschlechterung noch etwa 0,5 Mrd. Tonnen pro Jahr an Kohlenstoff zur Verfügung stehen. Dies sind etwa 21 % des gesamten Potentials an Ernterückständen. Bei Pyrolyse des nachhaltig nutzbaren Anteils der Ernterückstände zu Pflanzenkohle könnten damit jährlich 1.25-2.64 Mrd. Tonnen an CO2-Äquivalenten gebunden werden, was 3-7 % der globalen jährlichen CO2-Emissionen entspricht.
Im Artikel „Biomass residue to carbon dioxide removal: quantifying the global impact of biochar” beziehen Lefebvre et al. nicht nur Ernterückstände, sondern auch Reststoffe aus der Forstwirtschaft, Tierhaltung und Abwasserbehandlung ein. Die Studie berücksichtigt die länderweise unterschiedlichen Verfügbarkeiten von Biomasse sowie die unterschiedlichen klimatischen Bedingungen, welche auf den Anteil des nach 100 Jahren im Boden noch vorhandenen Kohlenstoffs Einfluss nehmen. Diese 100-jährige Kohlenstoff-Permanenz wird mit mindestens 76 % in tropischen Regionen und bis zu 94 % in hohen Breitengraden angenommen. Unter Einbeziehung der Daten von 155 Ländern kommen die AutorInnen zum Schluss, dass ca. 6 % der globalen Treibhausgas-Emissionen dieser Länder durch Pflanzenkohle wieder aus der Atmosphäre entfernt werden könnten.
Projektergebnisse aus dem Projekt „Landgewinn“
Pflanzenkohle: Kohlenstoffbindung, Bodenverbesserung und Energieversorgung zusammendenken
In dieser Informationsbroschüre werden die aus einer Diskussionsveranstaltung gewonnenen Erkenntnisse und Sichtweisen der Akteure auf Pflanzenkohle dargestellt und Empfehlungen für die weitere Entwicklung der Pflanzenkohle als Klimaschutztechnologie gegeben.
Studie über verschiedene Technologien der CO2-Entfernung aus der Atmosphäre
TA-SWISS (Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzung) als Kompetenzzentrum der Akademien der Wissenschaften Schweiz hat eine Studie „Chancen und Risiken von Methoden zur Entnahme und Speicherung von CO2 aus der Atmosphäre“ herausgebracht. Darin wird auch der Beitrag und das Potential von Pflanzenkohle behandelt.
Neuer Artikel bestätigt, dass regelmäßige jährliche geringe Gaben von Biochar langfristig besser auf den Pflanzenertrag wirken als 1x hohe Gaben
In einem 6-jährigen Feldversuch mit Reis haben chinesische Forscher nachgewiesen, dass jährliche geringe Gaben von Biokohle (2,8 t/ha) den Reisertrag positiver beeinflussten als eine hohe Gabe (22,5 t/ha) nur einmal zu Beginn.
Neuer Artikel beschreibt Biochar als Trägermedium für Mikroorganismen
Ein Mikroorganismen-Konsortium aus verschiedenen Bacillus-Arten konnte als Biofilm auf Biokohle kultiviert werden. Die auf diese Weise mit nützlichen Bakterien angereichert Biokohle konnte als organischer Dünger eingesetzt werden. Die Bakterien blieben auch nach 4-monatiger Lagerung der Biokohle noch aktiv.
Aktueller über Bericht über Optionen und Potential verschiedener Technologien zur Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre
Smith et al. (2023) haben in einer Zusammenarbeit von 12 Institutionen und zahlreichen IPCC-AutorInnen den aktuellen Stand von carbon dioxide removals (CDR) auf globaler Ebene bewertet.
Ein zentrales Zitat aus dem Bericht:
“We define CDR as capturing CO₂ from the atmosphere and storing it away for decades to millennia.”
Pflanzenkohle entspricht bei richtiger Anwendung dieser Definition zu 100 % und spielt daher sowohl im Bericht als auch im realen Kampf gegen den Klimawandel eine wichtige Rolle.
Was Sie schon immer über Pflanzenkohle wissen wollten:
Der Pflanzenkohle-Forscher Dr. Nikolas Hagemann fasst in einem Interview das derzeitige Wissen über die Vorteile von Pflanzenkohle-Anwendungen, über Limitierungen sowie über offene Fragestellungen zusammen. Dieser kurze Überblick stellt eine komprimierte Schnell-Information über den Stand des Wissens für Behörden und die interessierte Öffentlichkeit dar.
Zum Interview:
